Kopfbereich

Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation

Inhalt

Winkerfrösche aus Borneo PDF Drucken E-Mail

Die winkenden Frösche von Borneo - Eine „Frosch Arche Noah" im Tiergarten Schönbrunn

 

Staurois guttatusIm Sommer 2007 startete ein weltweit einmaliges Projekt der Universität Wien, des Tiergarten Schönbrunn und des Vereins der Freunde des Tiergarten Schönbrunn: gemeinsam wurde beschlossen, tropische Winkerfrösche aus Borneo im Wiener Zoo anzusiedeln und den optischen Signalen dieser einzigartigen Amphibien auf den Grund zu gehen.

Die Winkerfrösche der Gattung Staurois leben entlang schnell fließender, tropischer Bergbäche und Wasserfälle: in dieser permanent geräuschvollen Umgebung wären akustische Signale, das artspezifische Rufen, zur Kommunikation nicht ausreichend. Daher haben die Frösche in diesem Lebensraum zusätzlich auch einzigartige optische Kommunikationsstrategien entwickelt: Das auffälligste - und namensgebende - optische Signal ist das sogenannte „Winken". Dabei werden ein einzelnes oder beide Beine angehoben, in einem weiten Bogen langsam nach außen und hinten ausgestreckt und dann wieder zurück an den Körper geführt. Während der Bewegung werden die bläulich oder weiß gefärbten Schwimmhäute sichtbar.

 

Um zu verstehen, wie es zu der erstaunlichen Entwicklung dieses Winkens gekommen ist, müssen noch viele Fragen beantwortet werden: Welche Kommunikationsfunktionen genau erfüllen Rufen und Winken? Sind beide Signale notwendig, um Rivalen zu vertreiben oder Partner anzulocken? Reagieren die Tiere bei unterschiedlichen Wasserfließgeschwindigkeiten, Licht- Temperatur- oder Niederschlagsbedingungen anders auf Rufen oder Winken? Unterscheiden sich die Tiere in der Färbung oder Lichtreflexion der Schwimmhäute und welche Einfluss haben sie auf die Kommunikation zwischen Artgenossen?

Diese offenen Fragen können durch Freilandbeobachtungen alleine nicht geklärt werden. Um exakte Erkenntnisse zu erlangen, ist es notwendig, die Umweltbedingungen, unter denen die Frösche leben, im Labor zunächst zu imitieren, um sie dann gezielt steuern und variieren zu können.

 

Der Tiergarten Schönbrunn errichtete dafür in einem modifizierten Schiffscontainer einen eigenen Forscherraum, in dem Winkerfrösche aus Borneo von einem Forscher-Team der Uni Wien unter biologisch sicheren Bedingungen beobachtet, gezüchtet und erforscht werden. Für die Fütterung und die tägliche Pflege der Frösche sind die Pfleger des Regenwaldhauses des Tiergarten Schönbrunn zuständig.

Durch die Realisierung dieses Projektes wird erstmals die Freilandforschung der Winkerfrösche mit einer kontrollierten experimentellen Labor-Forschung kombiniert, um einen umfassenden Einblick in die reiche Welt der Farben und Geräusche dieser besonderen Frösche zu erhalten und ihr Verhalten besser verstehen zu können.  Mithilfe der gewonnenen Erkenntnisse soll ein nachhaltiger Schutz dieser Frösche in ihrem natürlichen Lebensraum erreicht werden. Möglich war die Umsetzung dieses Projektes nur durch die großzügige Unterstützung des Vereins der Freunde des Tiergarten Schönbrunn.